Zwei Passagen fielen Textkürzungen zum Opfer. Leider ist der Platz in einer Zeitschrift beschränkt ;-)
Wie versprochen nutze ich dieses Blog, um Bonusmaterial zu meinen Artikeln zu veröffentlichen. Heute sind es also die Outtakes des bereits erwähnten Artikels.
Die entsprechende Passage im Heft beginnt so:
Die bekannteste Art von Sorgen entsteht durch stereotype threat (in etwa Bedrohung durch Vorurteile). Was neue Forschung darüber offenbart, ist erschreckend und faszinierend zugleich. Die Leistungen von Probanden lassen sich einfach dadurch verschlechtern und verbessern, dass man sie entweder an bestehende Vorurteile erinnert oder deren Wirkung neutralisiert. Hier einige Beispiele:Hier die sich anschließenden, entfallenen Absätze:
Studentinnen, die man vor einem Mathetest daran erinnert, dass es Vorurteile gibt, die besagen, dass Frauen auf diesem Gebiet weniger leisten, machen mehr Fehler.
Schon Erstklässlerinnen kämpfen mit Vorurteilen, wie Beilock und ihre Mitarbeiterinnen in zeigten. Sie entdeckten, dass manche Lehrerinnen unsicher waren, wenn es um Mathematik ging. Zu Beginn des Schuljahrs hatten die Sorgen der Lehrerinnen (natürlich) keinen Einfluss auf die Leistung der Schülerinnen. Je ängstlicher die Lehrerinnen jedoch waren, desto wahrscheinlicher war es, dass Schülerinnen (nicht jedoch Schüler) am Ende des Schuljahres meinten, Jungen könnten gut rechnen und Mädchen gut lesen. Schülerinnen, die dieses Vorurteil verinnerlicht hatten, schnitten im Rechnen schlechter ab als Jungen und als Mädchen, die nicht daran glaubten.Im Artikel erwähne ich dann schwarze Studenten, deren Leistungen abnehmen, wenn man sie an ihre ethnische Zugehörigkeit erinnert, und weiße männliche Ingenieure, die in Mathetests schlechter abschneiden, wenn sie denken, dass sie mit asiatischen Kollegen verglichen werden.
Frauen sind, etwa bei finanziellen Entscheidungen, weniger risikobereit als Männer. Das weiß man aus Studien, richtig? Bei einer Untersuchung war dies jedoch nur dann der Fall, wenn man die Probandinnen zuvor an die entsprechenden Vorurteile erinnerte.
Es folgt der nächste Outtake:
Niemand ist gegen stereotype threat immun, so Sian Beilock. „Es kann jeden treffen. Man muss nur besorgt darüber sein, dass jemand anderes erwartet, dass man versagt.”Auch eine Frage aus dem Interview samt Antwort wurde gestrichen. Hier sind sie:
Nicht nur Vorurteile machen dem Arbeitsgedächtnis zu schaffen, sondern auch Druck anderer Art, etwa durch eine wichtige Prüfung, die Erwartungshaltung der Zuschauer, wenn man im Rampenlicht steht, oder aus finanziellen Gründen, wenn es um viel Geld geht. Sian Beilock zum Beispiel erzeugt bei studentischen Probanden allein dadurch, dass sie sie in einer Art Wettbewerb schwierige Mathematikprobleme lösen lässt und dem Gewinner eine Geldbelohnung bietet, genug Druck, dass ihre Leistungen schlechter sind als die von Studenten die aufgefordert werden, einfach nur ihr Bestes zu geben.
Beilock und eine Mitarbeiterin machten übrigens eine erstaunliche Entdeckung: Die Studenten mit der größten Kapazität an Arbeitsgedächtnis (die also bei Mathetests besser abschnitten als ihr Kommilitonen) versagten unter Druck am stärksten und schnitten dann genauso schlecht ab wie Personen mit dem wenigsten Arbeitsgedächtnis. Welche wiederum, ob mit oder ohne Stress, das Gleiche leisteten. Weitere Analysen zeigten: Die intelligenteren Studenten rechneten jede Aufgabe genau durch, die schlechteren nahmen dagegen Abkürzungen, das heißt, sie schätzten oder rieten einfach. Und genau das taten diejenigen mit mehr Arbeitsgedächtnis, wenn sie unter Druck gerieten ebenfalls.
Welche Fragen hat die Forschung noch nicht beantwortet?Die Psychologin Sian Beilock hat über ihre Forschung übrigens ein interessantes und empfehlenswertes Buch geschrieben
Sian Beilock: Eine Frage hat damit zu tun, wann es beginnt, in wie jungen Jahren Stress empfunden wird und wie er das Verhalten beeinflusst. Und ein ganz wesentlicher Punkt ist, wie wir die besten Bedingungen schaffen können, um jedem zu helfen, das zu leisten, was seinen Fähigkeiten entspricht. Ob in der Schule, im Sport oder im Beruf.
